zuflucht



doch hier ist unsere zukunft, zufluchtsort im gedicht, hier wird es nie kalt. die fäden halten uns, wickeln uns ein und aus, wärmen unsere worte, spannen, entspannen, verknoten und lösen sich. deine hände sind figuren, wenn sie mich erkunden, werden leicht und leichter. und deine erst, sagst du, und hältst ganz still, wenn meine finger auf dir tanzen und dann meine hände sich an deinen durchtrainierten körper schmiegen. dabei bin ich so unsportlich, lache ich, nur gehen mag ich, und tischtennis und badminton, federball sagte man damals noch. federn, sinnierst du, deine finger sind federn. abrupt setze ich mich auf. dürfen wir das überhaupt? da draußen ist krankheit und krieg. natürlich dürfen wir, sagst du, jetzt erst recht. du küsst mich, als wäre ich ein zu erforschendes meer und setzt mir eine krone aus glitzernden wörtern auf. ich sage danke und dass ich dich wahnsinnig mag. ich weiß, du wahnsinnige, lachst du. dann wirst du ganz ernst. dich spüren, sagst du, das ist es, ich will dich spüren. und ich dich. wann immer es gelingt, öffnet sich ein gedicht.


©diana jahr 2022

menschenjunges, schlüpfst aus mir heraus



und dann legen sie dich mir auf den bauch, in dem du vorher haustest, randaliertest, dich ab und zu nur mit einem schluckauf bemerkbar machtest, kleines alien, jetzt tierchen, frosch, so dünnbeinig, glitschig, orientierungslos, schreist dich direkt in mein herz; auf dir meine hände, ich kann dich nicht fassen, und muss doch nachsehen, wirklich ein mädchen, wie prophezeit, als ob das wichtig wäre, du wesen, du wunder, mein alles auf der welt


©diana jahr 2022

gedankensplitter (gelesen)


1
lese ich einen roman, verfehle ich manchmal mein ziel, indem ich zu ausführliche, langatmige stellen nur überfliege, mal gelangweilt, mal hastig, ungeduldig, neugierig, um in der handlung weiterzukommen. vermutlich ist mir dabei schon buchstäblich vieles entgangen.

2
es muss ein satz sein, der mich fesselt, oder ein wort



©diana jahr 2022

juli 2019, westerwald

 

die zikaden zirpen um die wette, welch satter klang, es ist warm und trocken, wie im süden, regen weitgehend abwesend. borkenkäfer zerfressen sämtliche nadelbäume und der eichenprozessionsspinner webt fleißig seine netze. noch fließt das wasser aus der leitung, aber wie lange noch – wie lange?

 

© diana jahr 2019