skizze (152)



und du antwortest mit einem handstreichen, als ob du meine gedanken liest, und du liest sie nicht nur, sondern übersetzt sie dem wind. ein stilles gespräch, nicht verlassen, nur versunken in einem zimmer der nacht. gute geister, denke ich abermals, und du öffnest das fenster. siehst du, sagst du, hörst du? aus dem dunkel, nichts. es wird kalt, aber mir ist warm. gleichzeitig greifen wir zum fenster, wollen es schließen. handgedichte. wir gehen zum kamin und setzen uns. gischt kommt mir in den sinn, als du mich küsst und dass ich deine gedanken spiegle, als wären mir meine eigenen worte abhanden gekommen. dabei haben wir nur die geschichte beiseite gestreift. oder sind wir
mittendrin?


©diana jahr 2021/22

notiz aus folkwelten &



körper resonanzräume aus händen aus mündern sprießen akkorde in dur und moll musik quillt aus jeder pore des abends diese fließende sprache perlt sprudelt murmelt flutet schwemmt über liegt ruhig lindert brandet wühlt auf füllt an hinterlässt ein gefühl von
glück


©diana jahr 2022

skizze (150)



sie kaut auf den sätzen, dreht jedes wort zweimal im mund herum, bevor es über die lippen geht. er hingegen spricht einen wasserfall. manchmal passiert ihr das auch, aber dann sind die worte rot. sprudeln möchte sie, in gelb und grün. seine sprache ist blau. wenn sie sich begegnen, fliegen silben hin und her, ihre sind schwer, aber voller klang, seine leicht, und sie treffen absichtslos ins schwarze.


©diana jahr 2022

skizze (148)



im wind schrägt sich licht, und wir drehen stimmen zwischen den händen, hitze. ein regenbogen verblasst, ein anderer wendet sich ab und biegt in eine weitere zeit. den kindern sagen wir keine märchen, die wahrheit ist zu fantastisch, so wünschen wir es uns. aber der regen redet nicht mehr. wir müssen neue sprachen lernen, so ist es in die erde geschrieben. einst sahen wir sterne verglühen, seitdem verbinden und entzweien sie uns. aber der wind, er kennt keine grenze, überall hinterlässt er spuren. einer gehen wir nach, hand in hand: der regenlosigkeit. kein nebel, heiseres land. immer werden wir durstig sein.


©diana jahr 2022