tagverse – Kempener Literaturpreis

 

Am Wochenende war ich nicht nur zur Signierstunde in München, beim Markt der unabhängigen Verlage (tolle Veranstaltung!), sondern auch in Kempen, bei der Preisverleihung des Literaturwettbewerbs, bei dem ich mit meinen
„tagversen“ den 1. Platz in der Kategorie  „Lyrische Texte/ Songtexte ab 18 Jahre“ erreicht habe!
Ich freue mich sehr! Und sage einfach DANKE! (Auch dies, eine wunderbare Veranstaltung, besonders beeindruckt haben mich die jungen Autorinnen und Autoren, hoffnungsvoller Nachwuchs!)

 

tagverse    

                                                                                                              

1
am montag kommst du
mit offener hand
in mein birkenhaar
pflügst den abend
zur nacht
schnitzen wir brot
aus salz und treiben uns
wein auf die lippen
setzt sich ein weiblicher vogel
aus feuer und eis

sie spreizt das gefieder
und schweigt uns ihr lied
wir fallen ein bis zum morgen
fällen wir jedes tabu

 

2
am dienstag kommt regen
benetzt das gliedergeflecht
wir gleiten einander
über und unter
der haut wohnen nester
aus schwarzem brokat

ich wölb meine hand
du legst dich hinein
zwischen lippen wankt
und taumelt die zeit
aus meinem schoß
strömen gedichte

 

3
am mittwoch müssen sie ruhen.

wir bereisen
ein schweigen
das uns (niemals) sättigt.

 

4
am donnerstag bist du mir göttin
und schlingst mich um
dein silbenherz

ich wandle zwischen worten
mit dem geschmack von schlehen
auf den lippen geschehen wunder

du hebst mich an deinen mund
und runde hände schmieden
das lager aus dunklem gold
auf dem wir (niemals) vergehen

wir schaukeln.

 

5
der freitag weint.
die nacht hebt sich träge
blinzelnd verweigert den tag.
wir klammern uns
aneinander, auseinander
geht unser weg

/vorläufig/

 

6
der samstag bricht sich
im licht der nahenden sommer
von süßem verzicht
kann ich nicht leben
ohne deine hand
fällt der himmel schwarz
über die erde
verdornt

 

7
am siebten tag
öffnen sich gebirge öffnet sich
sonne regnet im bogen
über uns wacht der frühe vogel
und der zeitenzug überholt
das leben.

im kuss verweben wir
das morgen –
ist unser.

 

© diana jahr

 

Wer hier noch schauen mag:

https://rp-online.de/nrw/staedte/kempen/entscheidung-im-kempener-literaturwettbewerb-2019_aid-47513433

 

„Andere Bücher braucht das Land“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… am Sonntag, den 01.12. von 13 – 14 Uhr darf ich dabei sein, im Literaturhaus München, zur Signierstunde, mit meinem Buch „und nachts wandern die fledermäuse aus“, mit und beim Schillo-Verlag! Ich freue mich sehr darauf. Vielleicht ist ja auch jemand von euch dort?

Ein Hoch auf die Literatur und die unabhängigen (Klein-)Verlage! 🙂

Ich wünsche euch eine schöne Woche,

Eure Diana

 

gegen den sturm (ein gedicht)

 

sind wir nicht alle
melancholisch in dieser zeit
da die zeichen auf sturm stehen
strick ich dir keinen pulli
sondern einen vers
aus unkratzigen worten
(mit etwas mond)
du wirst sehen
wir werden nicht
aus dem gedicht kippen,
wir haben noch nicht mal fahrtwind
aufgenommen hab ich nur dein glitzerwort
das haarscharf am wasser entlang
kratzt, weil es zeilennah
glänzt, glänzt
wie meine ab
und an wesenheit
im gedicht
wer vermisst
wen vermisst
du oder ich

 

© diana jahr 2019