himmelfahrtsreisegedichte/ weggefährten

 

1
alles kalt
macht der mai
luftsprünge oder

 

2
waldfetzen gedanken-
sprünge mütterlicherseits
klapprige schritte
wenn im kopf alles durch-
einander spricht

 

3
der pandemie sind wir noch nicht
entkommen auch wenn du das wohl
glauben möchtest die regeln fransen
aus wir werden unvorsichtig sie reden
von einer drittimpfung dabei haben so viele
nicht mal die erste erhalten und ich
weiß auch nicht mehr weiter und ich möchte doch weiter
reisen gen süden ans meer

 

4
hab geduld sagst du
und ich habe
sehnsucht

 

5
ist es sehnsucht oder
fernweh
wenn ich durchs fenster seh
du hast mir nie gesagt
wer die vögel schickte
oder wer dich
verletzte

 

6
aber ich öffne meine arme
zaudere nicht
spucke meine fragen
in die welt
klein war ich
früher groß bin ich
noch lange nicht
nur die tiere
wissen um eine kausalität

 

7
morgen gehe ich ins feld
und sabotiere (nicht) die pandemie
ich begrüße den himmel
die weite
steck mir gedichte
ins haar und du streichst mir
eine locke aus der stirn
weißt du
ich bin hier

 

©diana jahr 2021

gedichte zwischen sechs gläsern wein

 

wir tauschen wärme
im gras
im gedicht

fällt ein traum
zu boden
heb ihn auf

für später
stelle ich noch eine flasche wein
kalt ist es draußen und
dunkel der tag
weiß nichts
vom weinen

und vergieß nicht
den roten auf dem teppich
entsteht ein surreales bild
aus gestern und morgen
wer weiß das schon

komm zu mir
in der nacht
eilt auf leisen sohlen
dein wort
verwischt
und fällt
in meinen schoß

trink noch ein glas wein

ein ende gibt es nicht

 

©diana jahr 2020