zuflucht



doch hier ist unsere zukunft, zufluchtsort im gedicht, hier wird es nie kalt. die fäden halten uns, wickeln uns ein und aus, wärmen unsere worte, spannen, entspannen, verknoten und lösen sich. deine hände sind figuren, wenn sie mich erkunden, werden leicht und leichter. und deine erst, sagst du, und hältst ganz still, wenn meine finger auf dir tanzen und dann meine hände sich an deinen durchtrainierten körper schmiegen. dabei bin ich so unsportlich, lache ich, nur gehen mag ich, und tischtennis und badminton, federball sagte man damals noch. federn, sinnierst du, deine finger sind federn. abrupt setze ich mich auf. dürfen wir das überhaupt? da draußen ist krankheit und krieg. natürlich dürfen wir, sagst du, jetzt erst recht. du küsst mich, als wäre ich ein zu erforschendes meer und setzt mir eine krone aus glitzernden wörtern auf. ich sage danke und dass ich dich wahnsinnig mag. ich weiß, du wahnsinnige, lachst du. dann wirst du ganz ernst. dich spüren, sagst du, das ist es, ich will dich spüren. und ich dich. wann immer es gelingt, öffnet sich ein gedicht.


©diana jahr 2022

sind wir vögel oder figuren in einem spiel



und dann stelle ich fest, dass ich noch da bin, mitten unter ihnen, einer eingeschworenen gemeinschaft von seltsamen gestalten. sie spielen skat, poker, oder vater mutter kind. der pfarrer sagt, manchmal höre er gesänge in den straßen. wenn wir im himmelbett liegen, aneinander gedrückt wie zerknautschte teddys, reden sie über uns. mir ist das egal. du bist mir die liebste gestalt, der dompfaff weiß es, ich singe mit ihm und bin dir eine komische geliebte, aber wen interessieren solche geschichten. ja, ich bin, unter ihnen, und über mir wachsen wolken. wie du das aushältst, frage ich dich. du zuckst nicht mal mit dem augenlid.


©diana jahr 2022

sind wir figuren oder



dein ohrläppchen vibriert. dieser tröstliche gedanke, dass wir uns mitnehmen in unsere verschiedenen richtungen, figuren passen ja auch beinahe in jede jackentasche, sagst du, ernsthaft, feierlich beinahe, so tragen wir uns gegenseitig, auch oder gerade durch diese fragile zeit. und manchmal treffen wir uns in einem warmen fjordhaus-gedicht, tanzen miteinander, kosten voneinander, lösen uns auf und stürzen in tiefen um einander aufzufangen. weißt du, dass wir uns teilen, wenn wir uns vereinen? und dass du mich jederzeit umfangen kannst? unsere figuren leben. jetzt gerade küssen wir uns und schwappen auf einer neuen welle über den rand. wir finden uns. [unsere figuren sind wir!] kannst du meine finger fühlen? sie wärmen deine jackentasche, oder ist es umgekehrt? eine tür steht uns immer offen, lächelst du. und ich fühle deine hand.


©diana jahr 2022