skizze (127)

 

das sibyllinische jahr ist noch nicht vorüber dieses langsam rasante im herbst werden wir uns vergraben unter decken und grünen worten der winter weiß nichts von menschlichem befinden und ich bin seltsam libellenhaft im kopf laut und leise deine stimme ein murmeln im sturm

 

©diana jahr 2020

skizze (126)

 

mein kopf ist vernebelt, das pandemische gefühl von nähe und abstand raubt den verstand, sommrige vögel singen träge und zikaden, selbst ein sturm geht nur halbherzig übers land, erinnerungen bröckeln, träume wanken, der blick nach vorn ist verschwommen, und gedichte gehen nur schwer von der hand. wie soll ich schreiben, wenn deine stimme nurmehr flüstert für mich? auch dein kopf ist vernebelt, das sind die zeichen der zeit, doch unsere segel bleiben gewölbt, wie meine hand, wenn du deinen traum hineinlegst, siehst du den milan am himmel, er ist klar und unermüdlich hebt er uns auf seinen schwingen ins blau –

 

© diana jahr 2020

jahreswechsel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

seltsam, dieses bedürfnis, das alte jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen, dabei sagt diese zeiteinteilung eigentlich gar nichts aus. früher pflegte ich mit jedem neuen schuljahr zu sagen: neues spiel, neues glück! das ergab noch halbwegs sinn. ich fasse nie vorsätze, sondern nenne sie wünsche. das klingt doch viel schöner! in diesem sinne umarme ich dich und das neue jahr: hallo 2020!

 

juli 2019, westerwald

 

die zikaden zirpen um die wette, welch satter klang, es ist warm und trocken, wie im süden, regen weitgehend abwesend. borkenkäfer zerfressen sämtliche nadelbäume und der eichenprozessionsspinner webt fleißig seine netze. noch fließt das wasser aus der leitung, aber wie lange noch – wie lange?

 

© diana jahr 2019

julinacht

 

die luft steht, nie war der regen ferner. ich trete auf den balkon und über mir erhebt sich ein großer vogel vom dach. die nacht ist milchig, blass die sterne. fledermäuse ziehen ihre seltsam zackigen kreise, der fuchs ruft wieder aus dem wald und ein glühwürmchen vollführt vor meinem auge seinen tanz, als wolle es mir den weg in den traum weisen. still zieht ein wort mir durch den sinn ins herz. die nacht summt.

 

© diana jahr 2019