von der melancholie des reisens

zum 150. geburtstag von else lasker-schüler, noch mal hervorgeholt.

verssprünge

am rande des winters hält die zeit den atem an
ein augenblick entfaltet sich
auf dem lichtteppich
durchquere ich den regenbogen
mit der herzdame im gepäck, und else,
die sich mit einem zwinkern
ins gedicht geschrieben hat

erwacht aus dunkelstunden liegen wir
inmitten leuchtender landschaft
und sind sie selbst

strahl um strahl*
spielt uns else in die karten
und auf den hügeln weilt
ein glück entfernt vom tal
fließt aus deinen augen
ein goldbach mir ins haar

und unter unseren händen zerfällt das land

wir falten den teppich

else lächelt.

*else lasker-schüler, abgewandelte zeile aus „ein alter tibetteppich“

©dj2014

 

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von der weichheit der hornisse

 

blumen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rückblende 2. ein gedichtzyklus, den ich vor ca. drei jahren schrieb. die einzelnen teile befinden sich hier auf diesem blog, aber in seiner gesamtheit habe ich ihn noch nie veröffentlicht. teil I wurde 2014 im dichtungsring 43 abgedruckt. et voilà!

 

 

von der weichheit der hornisse

 

I

verirrt hatte sie sich
und wandte sich lauthals an mich
was machst du, wenn der sommer geht?
ich hob die schultern
und schwieg
sie umschwirrte mich, aufgeregt
wo ist mein weg?
wir sprachen über den abschied
des sommers, der zuversicht
und über die ruhe des winters
auf(er)stehen, sagte sie
und berührte mein gesicht
ich wehrte mich nicht
ich war zu müde
sie kroch in mein ohr
und flüsterte
sei einfach königin
dann flog sie davon.

 

II

und sie suchte mich wieder
heim, brachte ihr wort
und kämmte mir summen
ins haar (ein nest?)
doch sie bedeutete mir
zu schweigen

hörst du, königin
flüsterte sie
und ich hörte

 

III

und ich hörte
den oktober

mit donnernden fingern
zeichnete er einen blitz
in den himmel
erhob sich die weichheit
und zwinkerte mir zu

schließ die augen
(sieh nicht hin)

und ich schloss die augen
und ich sah

 

IV

und ich sah
den morgen

mit seinem dämmernden wissen
ruhte er auf den planken
der sonne

sie scheint nie matt
(zu sein)
auch im winter

schält die königin
das licht aus der nacht

und gebiert dem tag
eine neue farbe

 

V

und als sie in der farbe
verblasste
spürte ich die weichheit
in meiner brust
schmeckte den anflug
von sommer im winter
/wie eine prophezeiung/
versank die nacht
im weitergehen

 

©diana jahr

 

abendlied

rückblende. mein erster beitrag dieses blogs.
von zeit zu zeit werde ich nun ältere beiträge, die mir wichtig sind, noch mal ans licht holen. 🙂
ich wünsche euch allen schon mal ein schönes wochenende!
eure diana

verssprünge


unter deinem lid

ruht das meer

mein finger streift

sanfte nacht

darüber die mondbraue

taucht uns

in ungestilltes licht

(c)dj05/12

veröffentlicht in der federwelt nr. 97, dez 2012/ jan 2013

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