vom licht

 bäume

 

 

 

 

 

 

unerschütterlich
reckt der baum sich
zum himmel
und jedes einzelne blatt
grünt und fliegt
irgendwann, vergeht
immer im wissen
um seine wurzeln
die das licht nie sehen
(und doch…)

 

©dj2016

 

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Zwei Gedichte von Gabriele Pflug

ginkgo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

verschwiegenes tal:
rabenhorst und wasserluft
die wetterkarten sind aufgeschlagen
die zeichen stehen auf schnee

es könnte an dem licht liegen
dass ich glaube zu verblassen
dem blatt verbunden
und der krümmung des wegs

werde ich später
die einschicht verlassen
mit ihren höhlen aus stille

die steigende dämmerung
bedrängt
mein abgehetztes herz

 

 

 

alles ist in einem

die flüchtige zeichnung der falken
aufsteigende federführung
an ihren rändern blitzende kerben
ins licht notiertes alphabet

die bewegung deiner finger
wie sie wellen in die stille senden
und das gewicht einer träne
wenn das herz bricht

schwalben wachsen in den himmel
und unsere schatten
lassen wir hinter uns, für minuten
im nachruf der amsel

alles ist in einem

der weckgesang des winds auf offenem feld
schreibt sich ins gedächtnis der bäume
und sprengt wolken
wie die schalen der kastanien
brechen im späten sommer

und über allem der himmel
der seinen blauen kern öffnet

alles ist in einem

 

 

gabriele pflug, 2015

(foto: dj)

 

 

Ich freue mich sehr, heute in meinem poetischen Haus zwei Gedichte von meiner geschätzten Schreibfreundin Gabriele Pflug präsentieren zu dürfen.

 

„1956, unter dem Schutz von Bäumen geboren und begleitet von Großmutters Wort wuchs ich in den Mühlviertler Hügeln auf. Nach der Matura machte ich eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin und wurde später Lehrerin.
Vor vielen Jahren bin ich von der Großstadt wieder in meinen Heimatort zurückgekehrt und unterrichte nun in der Neuen Musikmittelschule in Saxen.
Die Sprache der Natur prägte mich fürs Leben. Biologischer Anbau von Gemüsen und seltenen Pflanzen, sowie Lesen und Schreiben gehören für mich zu den erfüllenden Tätigkeiten.
Der rege Gedanken-und Schreibaustausch mit Diana bedeuten für mich und mein Schreiben Weiterentwicklung und Ansporn.
Ein besonderer Dank für die unermüdliche Unterstützung meiner Auseinandersetzung mit dem Wort gilt Monika Kafka.
Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.“

 

Gabrieles bildreiche Texte, die oftmals ihre Liebe zur Natur widerspiegeln, sind wahre Perlen und gehörten meiner Meinung nach viel mehr an die Öffentlichkeit. 2013 wurde ein Gedicht in der Federwelt veröffentlicht, 2014 gewann sie auf „Unternehmen Lyrik“ die Monatsgedichtrunde im Dezember. Weiter so, liebe Gabriele!

 

du gehst durch mein herz (in memoriam)

ginkgo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

/für mo/ Monika Kafka, 1960 – 2014/

darling flüstert die amsel*
zur ruhe legt sich der frühling
mit dir & dem rückenwind
immer nach vorn
dehnen wir uns
zwischen vergissmeinnicht
und dunkelblau stiebt ein vers
übers gleichmaß hinaus
immer glimmt dein licht
durch meine zeilen
gehst du blind (sehend)
nicht im dunkeln
lässt dich mein wort
wenn ich dem gedicht
deinen namen gebe
hörst du
wie die stille ruft

*verszeile von sarah kirsch

©dj30/04/15

 

 

in liebevoller erinnerung an meine freundin mo,
die leider heute vor einem jahr viel zu früh gehen musste.
mo war eine begnadete lyrikerin, texte von ihr findet man auf ihrem blog schlüsselworte
sowie auch auf meinem:

die kniende
bettine und das günderödchen
aufbruch
morgengedicht
„frage nicht – ich lausche“

mo habe ich übrigens neben ganz vielem anderen dieses blog zu verdanken,
sie hat mich immer wieder ermutigt, bis ich vor drei jahren „mein poetisches haus“ eingerichtet habe.
auch für sie führe ich mein blog weiter!