von der melancholie des reisens

zum 150. geburtstag von else lasker-schüler, noch mal hervorgeholt.

verssprünge

am rande des winters hält die zeit den atem an
ein augenblick entfaltet sich
auf dem lichtteppich
durchquere ich den regenbogen
mit der herzdame im gepäck, und else,
die sich mit einem zwinkern
ins gedicht geschrieben hat

erwacht aus dunkelstunden liegen wir
inmitten leuchtender landschaft
und sind sie selbst

strahl um strahl*
spielt uns else in die karten
und auf den hügeln weilt
ein glück entfernt vom tal
fließt aus deinen augen
ein goldbach mir ins haar

und unter unseren händen zerfällt das land

wir falten den teppich

else lächelt.

*else lasker-schüler, abgewandelte zeile aus „ein alter tibetteppich“

©dj2014

 

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17 Antworten zu “von der melancholie des reisens

  1. Wie schön, liebe Diana, dein einst gepostetes Gedicht (bei Michaela Didyks Projekt MONATSGEDICHTE) jetzt wieder lesen zu können. Mit Else Lasker-Schüler auf fliegendem Teppich zu reisen, mit ihr im Gepäck so viel Lichtkraft und Glück zu erleben, ist wirklich zauberhaft, man leuchtet selbst von innen: „Strahl in Strahl“…Und von ihr stammen auch die Worte: „Wir alle suchen nach dem Fetzen Paradies mit der Inbrunst unserer ganzen Kraft“….
    E. L. Schüler würde sich gewiss heute auch über deine kleine Hommage freuen. Deine feinsinnigen Zeilen atmen „das Licht der Liebe“ in sprachlicher Schönheit und emotionaler Tiefe. Chapeau!
    Lichtgrüße aus Worms
    Gerda

    Gefällt 3 Personen

    • oh, liebe gerda, dass du dich daran erinnerst, wie schön!
      ich hatte es 2014 schon mal hier veröffentlicht und da es mir immer noch recht gut gefällt, dachte ich, der 150. geburtstag sei doch ein angemesserner anlass, es noch mal aus der versenkung zu holen 😉
      hab ganz herzlichen dank für deine worte, die mich (wie immer) sehr freuen und sei ganz lieb gegrüßt, mit licht und besten wünschen!
      diana

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  2. wow, das hast Du aber gut hinbekommen, liebe Diana.

    wunderschön sind Deine Worte hier und ich frage mich, hab ich sie schon mal gelesen?

    Ganz herzlich, Bruni

    Gefällt 1 Person

      • jetzt habe ich mal nachgesehen und siehe da, nun erinnere ich mich
        und heute würde ich sagen, es sind diese Zeilen

        *und unter unseren händen zerfällt das land*

        die mich ganz und gar berühren, liebe Diana.

        Liebste Grüße zum Abend von Bruni

        Gefällt 1 Person

        • ja, es ist interessant, gedichte verändern sich mit der zeit bzw. der eigene blickwinkel darauf… ich finde es auch immer interessant ältere gedichte hervorzukramen, und manche erscheinen mir fast fremd! dieses hier ist mir noch vertraut und doch eröffnen sich selbst mir immer noch neue aspekte… die zeile, die du herausgepickt hast… ja, sie ist auch gerade im heutigen kontext/ zeitgeschehen noch mal vieldeutiger geworden, meine ich…
          ganz lieben dank, bruni und herzlichste vorfrühlingsgrüße zu dir
          von diana

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