„die zeit rennt“

 

/“die zeit rennt“, rhetorische figur: personifikation/

die zeit ist (k)ein seltsames phänomen
sie ist alles, was du siehst:
der baum, der käfer, du selbst.
du selbst bist die zeit.
also, lauf nicht davon,
nicht dem baum, nicht dem käfer
und vor allem nicht
dir selbst.

 

©dj2016

 

inspiriert von brunis „vergehenden momenten“

 

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17 Antworten zu “„die zeit rennt“

  1. Das klingt schön, liebe Diana, und ist eine feine, poetische Sicht der Zeit…

    In Wirklichkeit ist sie aber vor allem unsichtbar und eine sehr abstrakte Vorstellung der Menschen,

    die mit Hilfe von Uhren zu konkretisieren versucht wurde, wird…

    Liebe Novembergrüße vom Finbar

    Gefällt 3 Personen

    • aber ja, „zeit“ ist etwas sehr abstraktes. und dennoch, meine ich, zeigt sie sich ganz konkret an jedem lebewesen… das ist zumindest mein gedanke hier.
      und ja, klar, die zeiteinteilung ist eine orientierungshilfe für den menschen…
      danke für deine worte, lieber lu! 🌻und liebe grüße von mir 😀

      Gefällt 2 Personen

  2. So vertraut und so fremd zugleich ist uns die Zeit. So wie auch wir uns fremd und vertraut zugleich sind. Das hast Du sehr fein erfasst in Deinen Zeilen! Am interessantesten finde ich immer noch, wie sich unsere Zeitwahrnehmung im Laufe des Lebens verändert. Ich habe dazu mal etwas geschrieben und ich hoffe, es ist okay, wenn ich es hier einfüge:

    VOM FLIEßEN DES BACHES
    Wiedergefunden habe ich den leise glucksenden Bach meiner Kindheit.
    Leichtfüßig bin ich ans andere Ufer hinüber gesprungen,
    das damals so weit mir schien.
    So weit, wie der Gedanke, erwachsen zu sein.

    Kaum zwei Schritte ist der Bach nun breit.
    Sein Wasser fließt – wie rasch verging die Zeit.
    Ein jedes Jahr, scheint mir, verfliegt ein wenig schneller.
    Als hätte ich Sandkörner in der Hand gehalten
    und der Wind ging darüber hin.

    Und doch: das Jahr bleibt Jahr.
    Es pocht der Takt der Tage und Minuten auf ewig gleich.
    Verlangsamen muss ich die Stunden wieder
    und ausdehnen den Moment.
    Wie das Kind, das am Bach spielt und vergisst die Zeit.

    Gefällt 2 Personen

    • natürlich ist das ok – wunderschöne zeilen, liebe poeta, mein kompliment. 🙂
      und ja, die wahrnehmung scheint sich tatsächlich zu verändern… und die konsequenz hast du fein am schluss zum ausdruck gebracht:
      den moment gilt es auszudehnen. 🙂
      herzlichen dank!

      Gefällt 2 Personen

      • Das war so ein Moment im letzten Winter. Da habe ich meiner kleinen Tochter den Bach gezeigt, an dem ich in meiner Kindheit viel gespielt habe. Und der Bach war plötzlich so schmal – für mich. Für meine Tochter eine Herausforderung. Und während ich Fotos machte, übte sie über den Bach zu springen. Es kam was kommen musste: ihr letzter Sprung misslang, während die ersten Zeilen des Gedichts in mir wuchsen. Und während ich das nasse, zeternde Kind nach Hause bugsierte, wuchs das Gedicht irgendwie in meinem Kopf weiter. So viel im Übrigen zur kontemplativen Ruhe beim Dichten 😉

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        • wie schön… ja, die perspektive verändert sich, wenn man wächst… habe das phänomen jetzt auch schon einige male bei meiner tochter mitbekommen: „mama, war das immer schon so klein?? früher war das doch viel größer!“ 😉
          und dass aus solchen situationen gedichte entstehen können, das habe ich auch schon oft erlebt…
          danke sehr für die geschichte zu deinem gedicht 🙂
          liebe grüße!

          Gefällt 1 Person

  3. Pingback: “die zeit rennt” — verssprünge – …auf dem Weg

  4. vor sich selbst wegzulaufen ist das Dummste, was wir tun können.
    Durch das Rechnen mit der Zeit in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Wochen und Jahren können wir diesem abstrakten Ding so nahe kommen, wie es uns möglich ist.
    In der Veränderung der Dinge, Pflanzen, Tieren und uns Menschen selbst, sehen wir, wie die Zeit vergeht und genau das ist es doch, was Du meinst, oder nicht, liebe Diana?
    In Poetas tollem Fließen des Baches ist es wunderschön zu lesen, denn die Erinnerung aus unserer Kindheit wußte nicht, wie der Bach heute auf sie wirkt. Erst beim Augenschein stellt es sich heraus.
    Nun hat sie eine neue Erinnerung von diesem einen Moment, der schon wieder vergangen ist.

    Liebste Grüße von Bruni

    Gefällt 2 Personen

    • liebe bruni, ja, aber ich gehe noch einen schritt weiter und sage: die dinge selbst sind die zeit.
      und wenn wir sagen, die zeit rennt mir davon, sind wir es doch im grunde selbst, die rennen.
      vielleicht etwas gewagt, ich weiß. 😉
      aber der gedanke ließ mich nicht mehr los, nachdem ich von deinen vergehenden momenten las. 🙂
      danke für deine worte und liebe grüße!
      deine diana

      Gefällt 1 Person

  5. du schreibst über das, was auch mich beschäftigt. deine zeilen sind eine nachdenklich machende poetische auseinandersetzung mit diesem thema!
    tröstlich für mich ist, dass die zeit auch über den schmerz weht und ihn mit der zeit ein wenig kleiner macht.

    deine gabriele

    Gefällt 2 Personen

    • oh ja, da sprichst du noch etwas an, tatsächlich vermag die zeit schmerz zu mildern… etwas, das ich erst glaube, seitdem ich es selbst erfahren habe. dieses thema, zeit… beschäftigt mich sehr häufig. 🙂
      auch fasziniert mich der gedanke, dass zeit vielleicht nicht nur eindimensional ist… regelmäßig aber bekomme ich einen knoten im gehirn, lach!
      ganz lieben dank für deine worte, liebe gabriele!
      deine diana

      Gefällt 1 Person

  6. So schön, wie du die Zeit lyrisch schmückst.
    Im Ursprung ist die Zeit wohl so – kostbar geworden für die schnelllebige Gesellschaft.
    Gerade gestern hörte ich von der Krankenkasse diesen Satz: Uns läuft die Zeit davon…!
    Der Versuch sich über die Zeit hinwegzusetzen, um einen kanken Menschen schnell wieder leistungsfähig im Sinne dieser Leistungsgesellschaft zu bekommen. Während in mir, die Zeit einen ganz anderen Wert bekommen hat…

    Liebe Grüße,
    Silbia

    Gefällt 1 Person

    • ja, in mir hat die zeit auch einen anderen wert bekommen…
      zeit ist einerseits doch einfach da, gegeben.
      und andererseits ist sie so relativ… subjektiv auch…
      und, vielleicht ist es das, was uns besonders zu schaffen macht: jeder einzelne weiß nicht, wieviel ihm noch gegönnt ist.
      ich danke herzlich für deine guten worte, liebe silbia!

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