Zwei Gedichte von Gabriele Pflug

ginkgo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

verschwiegenes tal:
rabenhorst und wasserluft
die wetterkarten sind aufgeschlagen
die zeichen stehen auf schnee

es könnte an dem licht liegen
dass ich glaube zu verblassen
dem blatt verbunden
und der krümmung des wegs

werde ich später
die einschicht verlassen
mit ihren höhlen aus stille

die steigende dämmerung
bedrängt
mein abgehetztes herz

 

 

 

alles ist in einem

die flüchtige zeichnung der falken
aufsteigende federführung
an ihren rändern blitzende kerben
ins licht notiertes alphabet

die bewegung deiner finger
wie sie wellen in die stille senden
und das gewicht einer träne
wenn das herz bricht

schwalben wachsen in den himmel
und unsere schatten
lassen wir hinter uns, für minuten
im nachruf der amsel

alles ist in einem

der weckgesang des winds auf offenem feld
schreibt sich ins gedächtnis der bäume
und sprengt wolken
wie die schalen der kastanien
brechen im späten sommer

und über allem der himmel
der seinen blauen kern öffnet

alles ist in einem

 

 

gabriele pflug, 2015

(foto: dj)

 

 

Ich freue mich sehr, heute in meinem poetischen Haus zwei Gedichte von meiner geschätzten Schreibfreundin Gabriele Pflug präsentieren zu dürfen.

 

„1956, unter dem Schutz von Bäumen geboren und begleitet von Großmutters Wort wuchs ich in den Mühlviertler Hügeln auf. Nach der Matura machte ich eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin und wurde später Lehrerin.
Vor vielen Jahren bin ich von der Großstadt wieder in meinen Heimatort zurückgekehrt und unterrichte nun in der Neuen Musikmittelschule in Saxen.
Die Sprache der Natur prägte mich fürs Leben. Biologischer Anbau von Gemüsen und seltenen Pflanzen, sowie Lesen und Schreiben gehören für mich zu den erfüllenden Tätigkeiten.
Der rege Gedanken-und Schreibaustausch mit Diana bedeuten für mich und mein Schreiben Weiterentwicklung und Ansporn.
Ein besonderer Dank für die unermüdliche Unterstützung meiner Auseinandersetzung mit dem Wort gilt Monika Kafka.
Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.“

 

Gabrieles bildreiche Texte, die oftmals ihre Liebe zur Natur widerspiegeln, sind wahre Perlen und gehörten meiner Meinung nach viel mehr an die Öffentlichkeit. 2013 wurde ein Gedicht in der Federwelt veröffentlicht, 2014 gewann sie auf „Unternehmen Lyrik“ die Monatsgedichtrunde im Dezember. Weiter so, liebe Gabriele!

 

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26 Antworten zu “Zwei Gedichte von Gabriele Pflug

  1. Ich gebe ca. 6 Mal im Jahr Poesieabende. Ich suche dabei immer Gedichte von aktuellen Dichtern (nicht weil die „alten“ weniger wertvoll, sondern weil die „jungen“ mehr Leser brauchen). Danke für diesen wunderschönen Beitrag und den Tipp!

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  2. Edle Gedanken, wie die deine, liebe Diana, finden höchste Anerkennung: eine Lyrikfreundin mit poetischem Bild hier zu würdigen.
    Hut ab auch vor den geschriebenen Bildern und den gemalten Versen, liebe Gabriele. Deine feinsinnigen Gedankenklänge schätze ich schon seit langerem (siehe Monatsgedichte) und sie schreiben sich auch ins Leserherz immer wieder – nicht nur: „schreibt sich ins gedächtnis der bäume / uns sprengt Wolken“ – es geht mir unter die Haut. Einfach schön, voller emotionaler Tiefe und bildhafter Dichte dein Blick für die feinen Zwischentöne, für die Seele der Natur.
    Herzlich mit Gruß an euch beide!
    Gerda

    Gefällt 2 Personen

  3. Ja und weiter so!
    Feinste Naturlyrik, liebe Gabriele!
    Verse, die man nicht nur einmal liest, da spüre ich die Lust nochmals einzusteigen und mitzuempfinden.

    Schön, diese Vostellung, liebe Diana.

    Liebe Grüße an euch beide,
    Silbia

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  4. liebe Diana, ich danke dir von herzen, dass du mich in dein wunderschönes „haus“ eingeladen hast und ich eine auswahl meiner gedichte zeigen darf!

    ganz besonders bedanke ich mich:
    liebe blumentorte, für deine einladenden worte
    lieber michael, für deinen beflügelnden kommentar
    und liebe gerda, für deine wunderbare zeilen zu meinen gedichten

    liebe grüße
    gabriele

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  5. Zwei wunderfeine Gedichte finde ich hier bei Dir, liebe Diana, ausnahmsweise sind sie nicht von Dir, sondern von Gabriele, deren Namen ich schon unter Kommentaren bei Dir gelesen habe…

    Nun lese ich von einem verschwiegenen Tal, dem schon alleine wegen dem Rabenhorst meine Liebe gehört und ich lese mich genussvoll durch die Zeilen hindurch

    Dann komme ich zum zweiten, zum Gewicht einer Träne, wenn ein Herz bricht und sehe mit eigenen Augen, wie die Schalen von Kastanien Wolken sprengen und ich geniesse die bildhaften Zeilen

    Herzliche Grüße
    von Bruni und danke fürs Lesenkönnen der beiden besonderen Gedichte von Gabriele

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  6. Manchmal fühle ich mich im Leben wie in einem langen Tunnel, an dessen Ende aber immer ein Licht erkennbar ist. Dieses Licht ist die Poesie.

    Liebe Diana, liebe Gabriele, am Firmament der Worte seid ihr zwei besonders hell leuchtende Sterne. Eure Gedichte zu lesen, ist für mich mehr als oberflächliche Therapie, mehr als bloßer Kunstgenuss. Wenn ich mich in eure Texte vertiefe, tauche ich ein in eine Welt, für die meine Fantasie nicht reicht. Aber eure Worte machen diese Welt erfassbar für mich, begreifbar. Immer wieder aufs Neue stelle ich fest, wie schön man Leben beschreiben kann. Freude an der Sprache und Tiefe im Fühlen bilden eine ganz wunderbare Symbiose. Da ist nichts Gekünsteltes. Nichts Gewolltes.

    Noch eine andere Wirkung eurer Texte möchte ich beschreiben. Sie stimulieren und schenken Freiheit. Laden ein, die eigene Kreativität zu probieren. Machen Mut, mit der Angst umzugehen, sie gewissermaßen mit Worten zu zähmen. Freiräume für eigenes Schaffen werden erkennbar. Das macht zufrieden, denn es schafft Selbstvertrauen.

    Ich euren Texten erkenne ich immer wieder, dass Schmerz und Glück zusammen gehören. Ich lerne, dass es die kleinen Dinge sind, welche den Unterschied machen. Die Nuancen im Leben, die ihr so meisterlich und mit so viel Liebe in euren Texten beschreibt. Beim Lesen eurer Texte komme ich zur Ruhe und die Zeit wird langsamer.

    Ich empfinde es als Glück, euch beide kennen gelernt zu haben und als große Ehre, euch Freunde nennen zu dürfen.

    Herzlich
    Jorge D.R.

    Gefällt 2 Personen

    • oooooh, mein lieber freund jorge, nun siehst du aber eine erröten 😉
      das ist unglaublich schön, was du da schreibst.
      (auch wenn ich denke, du übertreibst ein wenig, 😀 so ist es doch einfach nur schön, so etwas zu lesen.)
      ich freue mich ebenfalls sehr darüber, dass wir uns über den weg gelaufen sind, lieber jorge. du weißt, dass ich deine art zu schreiben auch sehr mag.
      hab tausend dank für deinen wunderbaren kommentar!
      ganz herzlich zurück,
      diana

      Gefällt 1 Person

  7. liebe hafenmuse, lieben dank dir für deine anerkennenden worte!

    lieber Jorge, das lesen deines kommentars erhellt mein herz.
    tausend dank dir, für deine schönen worte!

    liebe grüße an euch
    von gabriele

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  8. Pingback: Gabriele Pflug | kunstlyrikhermann

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