schlüsse ziehen (kurzprosa)

stadtsommer

 

 

nach zwanzig jahren sitzen wir uns gegenüber, in diesem café, mitten in der stadt. die stadt, die mich ausgespuckt hat. dich, dich auch? familie, ja, ich auch. wir reden über das wetter, wie es sich verändert hat. (hat es sich verändert?) und wir reden über gestern, weißt du noch …? ja, ich weiß noch. und du auch. wir schweigen. ich nippe an meinem milchkaffee. du tust es mir gleich, deiner ist gezuckert, wie damals. du sagst, komm, wir gehen eine rauchen, rauchst du überhaupt? ich nicke, verwundert. du rauchst. du, die du immer so gesundheitsbewusst warst, bio hier, bio da (nein, öko hieß es damals noch). ich hab das immer belächelt. wir gehen auf die kleine dachterrasse und atmen still den rauch über die häuser. tja, sagst du. tja, sage ich. auf der antenne sitzen zwei schwarze vögel. ein kabel hängt lose in der luft.
ich blicke dir nach, als du das café verlässt, bis meine augen fast tränen. deine jacke, die blaue mit den halbmonden, selbstgestrickt, hängt noch über dem stuhl. sie gibt es also noch. langsam streife ich sie über und verlasse einmal mehr die stadt.

 

©dj2014
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12 Antworten zu “schlüsse ziehen (kurzprosa)

  1. Tja, manchmal bleibt nur eine Jacke zurück… es werden keine neuen Worte gefunden, keine, die bleiben könnten…wenigstens die Worte, die wenigen bleiben, auch wenn sie nichts sagten… vielleicht blieb nach zwanzig Jahren ein neuer Eindruck, vielleicht, doch zumindest Gewissheit !
    (Bei mir war es vor langer Zeit ein Pullover, lächel…)

    Lass dich umarmen
    von mir 🙂

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    • danke sehr, liebe rachel!
      ja, so kann es wohl gehen … zum glück hab ich sowas noch nicht in dieser härte erleben müssen … nur durchgespielt, was wäre wenn, wie könnte so eine begegnung aussehen …
      eine liebe umarmung zurück
      von mir 🙂

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      • Du Liebe,
        dann hast du es ja noch besser geschrieben, lach, so einfach aus der Vorstellung heraus – prima!!! Ach, menno, wenn wir unsere Fantasien nicht hätten, lächel….

        Übrigens sitze ich grad unter unserem großen Nussbaum und lasse mich von den Vögeln besingen, einfach mal im Nichtstun versinken, grins…

        Dir wünsch ich auch eine
        Schattenecke und gute Gedanken

        Drückerle 🙂

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  2. eine kurze Geschichte, die nachdenklich daherkommt, fragend und kurze Antworten gibt.

    Sie gefällt mir und auch das Auseinandergehen hat etwas Versonnenes, nachdenklich blicken die Gedanken zum Ende…

    während die zurückgebliebene Jacke neues Beginnen signalisiert

    Liebe Grüße von Bruni

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